„Die Zahl der indigenen Priester wächst“

#1 von traudel ( Gast ) , 11.02.2016 22:12

10.02.2016 15:20
„Die Zahl der indigenen Priester wächst“
Papst Franziskus geht an die Ränder Mexikos: Ein Gespräch mit Bischof Felipe Arizmendi Esquivel von San Cristóbal de las Casas. Von Regina Einig
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Bischof Felipe Arizmendi Esquivel.
Foto: IN
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Als Bischof Felipe Arizmendi Esquivel im Jahr 2000 das südmexikanische Bistum San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas übernahm, galt die Diözese als eine der schwierigsten Mexikos – nicht nur wegen der Armut und der hohen Analphabetenquote der Bevölkerung, sondern wegen der Verletzungen, die das Experiment einer „autochthonen Kirche“ hinterlassen hatte. Auch im Ausland hatten Theologen Erwartungen in einen Sonderweg indigener Gemeinden gesetzt. Über die Förderung Ständiger Diakone sollte die Tür für verheiratete indigene Priester geöffnet werden. Dass das Experiment nicht im Schisma endete, verdankt die Diözese vor allem der Vermittlung Bischof Arizmendis. Grund zum Feiern hat die Diözese am Montag, wenn der Papst zu Besuch kommt.

Exzellenz, der Papstbesuch weckt in Ihrer Diözese viele Hoffnungen. Welche Themen beschäftigen die indigene Bevölkerung?
Wir haben hier kaum Arbeitsplätze, darum emigrieren viele nach Quintana Roo und manche auch in die Vereinigten Staaten. Auf diese Weise verlieren sie ihre kulturellen Wurzeln, in denen ein Schatz an Werten liegt. Die Wohnsituation der Menschen hat sich insgesamt verbessert, teilweise liegt das an den Regierungsprogrammen für Sozialwohnungen, teilweise aber auch an den Überweisungen, mit denen Migranten ihre Familien unterstützen. Der fehlende Landbesitz führt in einigen Gemeinden noch immer zu inneren Spannungen, vor allem zwischen den sozialen Organisationen.

Welche Aussagen in der Enzyklika Laudato si spiegeln die Situation bei Ihnen?
Seit vielen Jahren wird der natürlich Reichtum in Chiapas nach und nach zerstört. Es gab und gibt, wenn auch mittlerweile in geringerem Umfang, das wilde Abholzen von Bäumen. Das hat stellenweise zur Versteppung geführt. Wir haben hier viele Bodenschätze, doch sind sie nicht nach ökologisch sinnvollen Gesichtspunkten erschlossen worden. Den Firmen ging es dabei ums Geldverdienen, die Gemeinden haben nicht viel davon gehabt. Unser Volk schätzt Laudato si sehr, weil es uns dazu ermutigt, die „Mutter Erde“ in die Seelsorge zu integrieren. Das fördern wir in unserer Diözese schon seit Jahren.

Die Diözese San Cristóbal de las Casas hat einen schwierigen Prozess durchlaufen. Bemerken Sie Fortschritte?
Viele Indigene übernehmen verschiedene Dienste in der Kirche: als Diakone, Katechisten, Kommunionhelfer, Chorsänger und so weiter. Außerdem wächst die Zahl der einheimischen Priesterberufungen und der Ordensleute. Es gibt nun auch mehr Übersetzungen der Bibel und der liturgischen Texte in einheimische Sprachen, die kirchlich approbiert wurden. Die Laien übernehmen Verantwortung in der Evangelisierung und fördern die Verbesserung der Lebensbedingungen für das Volk.

Wie kam es zu der Kampagne für einen verheirateten indigenen Klerus? Waren die indigenen verheirateten Diakone dafür?
Da es kaum einheimische Priester gab, dachte man, verheiratete indigene Priester könnten eine Lösung sein. Aber keiner der indigenen Diakone, von denen alle außer einem verheiratet waren, hat je darum gebeten, zum Priester geweiht zu werden. Darüber machen sie sich keine Sorgen, denn sie merken, dass sie im Dienst als Diakone viel für ihr Volk tun können. Da sie verheiratet sind und familiäre Verpflichtungen haben, ist ihnen bewusst, dass für mehr keine Zeit bleiben würde.

Wenn keiner der indigenen Diakone das Priesteramt anstrebte, wer hat so lautstark verheiratete indigene Priester gefordert?
Einige pastorale Mitarbeiter, die selbst keine Indigene waren und aus anderen Gegenden Mexikos oder aus dem Ausland stammten.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass die Kampagne für verheiratete Priester endete und es in San Cristóbal de las Casas wieder mehr Interesse am Priesteramt gibt?
Da gibt es keinen Zusammenhang. Wir haben die einheimischen Berufungen gefördert, die Indigenen und die Mestizen, ohne an verheiratete Priester zu denken. Alle betrachten den Zölibat als den normalen Weg des Priestertums. Heute haben wir 76 Seminaristen, darunter 42 Indigene. Alle stammen aus Chiapas. Die Zahl der indigenen Priester wächst ständig. Das ist eine Gnade Gottes für unser Volk, die Frucht vieler Gebete und der Berufungspastoral.

Dass Papst Franziskus das Verbot der Sakramentenkongregation, für ihr Bistum Ständige Diakone zu weihen, aufgehoben hat, wurde von manchen so interpretiert, als sei der Weg nun frei für einen indigenen verheirateten Klerus. Wie beurteilen Sie das?
Bei uns hat das niemand so interpretiert. Diese Sorge gibt es bei uns nicht mehr.

Wie bewerten Sie die Rolle von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. mit Blick auf die Indigenen? Haben diese Päpste einen echten Dialog zu einer indigenen Theologie eröffnet?
Beide haben versucht, die Lage der Indigenen sehr aufmerksam im Blick zu behalten. Der heilige Johannes Paul II. hat ein ausgesprochen umfassendes Lehramt ausgeübt, vor allen Dingen, um Indigene in ihrer Menschenwürde und ihren Rechten zu verteidigen. Papst Benedikt hat uns geholfen, Fragen zur indigenen Theologie zu klären. Dabei war einerseits zu berücksichtigen, welchen Beitrag diese Theologie geben kann und zu sehen, welche Grenzen zu überwinden sind. Benedikt hat den Dialog darüber intensiv gefördert und ihn dem Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM anvertraut. Es gibt ein Beratergremium hierzu, das Symposien über Themen der indigenen Theologie veranstaltet – immer in Absprache und Übereinstimmung mit der kirchlichen Hierarchie.

traudel

   

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Pater Amrozh. Exorzist

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