Dossier: Exorzismus

#1 von Traudel ( Gast ) , 09.04.2016 17:33

Dossier: Exorzismus



18/03/2005SHARE:
Selten schafft es ein theologisches Seminar an einer päpstlichen Universität so weit in die Weltpresse wie ein Kurs am Institut der Legionäre Christi – eigentlich auch wieder kein Wunder bei dem Thema: Exorzismus. Die Ausbildung von Priestern für die Austreibung von Teufel und Dämonen aus einer besessenen Person. Was für die einen nach tiefstem Mittelalter klingt, ist für andere endlich ein Schritt der Kirche in die richtige Richtung. Was hat es mit dem Exorzismus auf sich?

Die Kinogänger gruselten sich. Und zwar selten mehr. „Der Exorzist“, ein Streifen, der in den frühen siebziger Jahren in die Kinos kam und erst vor wenigen Monaten in einer „Vollversion“ noch einmal neu die Zuschauer das Grauen lehrte. Der „erschreckendste Film aller Zeiten“ wird er immer wieder genannt. Der größte Horror. Die Geschichte eines Mädchens, das vom Teufel besessen ist, das von ihm gequält und misshandelt wird, das auf einmal unmenschliche Kräfte besitzt, sich vom Boden erhebt, in fremden Sprachen spricht und mit einer unnatürlich tiefen Stimme, das Priester in den wildesten Tönen beschimpft, am Körper fürchterliche Verletzungen aufweist, das auf einmal Dinge weiß, von denen es nie etwas hat erfahren können… Ein Film, der in grauenhaften Szenen das nachspielt, was angeblich ein wirklich stattgefundener Fall war…

Warum ein Seminar zu diesem Thema?

Das Thema Exorzismus, Teufelsaustreibung und Besessenheit durch Dämonen ist sicher alles andere als Stoff für ein angenehmes Plauderstündchen. Steil stehende Nackenhaare, gruselige Gänsehaut und ansonsten der Schauer des Bösen – das ist es ganz und gar nicht, was die Theologen der Universität der Legionäre Christi mit ihrem Seminar erreichen wollen, erklärt der Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Regina Apostolorum, Pater Thomas Williams. Vielmehr hätten zwei Faktoren die Fakultät zur Einrichtung des Seminars gebracht:

„Der eine war das Anwachsen von Satanismus in Italien und auch in der restlichen Welt, es gibt einfach ein wachsendes Interesse an diesem Kult. Zweitens hatten wir die Sorge, dass Priester unter Umständen nicht fähig sein würden, mit diesem Phänomen umzugehen, weil in der Ausbildung dieses Thema ausgeklammert wird.“

Grundsätzlich hält die Kirche an der Ansicht fest, dass Menschen vom Teufel oder von Dämonen besessen sein können. Schließlich findet sich das ja auch mannigfach in der Bibel. Jesus Christus selbst führt Dämonenaustreibungen durch, wird vom Teufel in Versuchung geführt und bemächtigt seine Jünger, Dämonen auszutreiben. Der Exorzismus wiederum ist eine liturgische Handlung eben für diese Austreibung von Dämonen, die sich aus Gebeten an Gott zur Hilfe für die besessene Person als auch aus Befehlen an den Dämon, die Person zu verlassen, zusammensetzt. Das derzeit gültige Rituale für dieses Gebet, also das entsprechende römische Gebetbuch, stammt aus dem Jahr 1999, es löst den Vorgängertext aus dem Jahr 1614 ab. Das Kirchenrecht regelt, wie ein Bischof die Frage des Exorzismus zu händeln hat. In Canon 1172 heißt es:
Can. 1172 — § 1. Niemand kann rechtmäßig Exorzismen über Besessene aussprechen, wenn er nicht vom Ortsordinarius eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis erhalten hat.
§ 2. Diese Erlaubnis darf der Ortsordinarius nur einem Priester geben, der sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnet.
Rund 70 Exorzisten arbeiten in Italien

In Italien gibt es solche Exorzisten als ständige Einrichtung in vielen verschiedenen Diözesen. Am bekanntesten von ihnen dürfte der römische Exorzist Pater Gabriele Amorth sein, der von sich selbst sagt, dass er in seinem Leben bereits um die 60 000 Dämonen vertrieben habe. Immer wieder melden sich auf dem italienischen Stiefel Menschen bei Priestern, die vorgeben, vom Teufel besessen zu sein. Natürlich gibt es davon keine offiziellen Zahlen. Eine italienische Zeitung behauptet allerdings, es seien rund 500 000 pro Jahr, die vorstellig würden. In unseren Ländern hingegen sind Exorzismen nicht üblich. Vor allem wegen des Falles von Anneliese Michel von 1976, als die junge Frau bei einem langandauernden Exorzismus ums Leben kam. Die Priester und die Eltern der angehenden Religionslehrerin aus dem Bistum Würzburg wurden wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt. Anneliese Michel hatte tagelang keine Nahrung zu sich genommen, angeblich weil die Dämonen ihr das verboten hatten. Außerdem riefen die Verantwortlichen keinen Arzt, obwohl doch auch Verdacht auf Epilepsie bestand. Die Deutschen Bischöfe sagten daraufhin, dass man mit Exorzismen und ähnlichem sehr vorsichtig sein müsse…

Aber was hat man sich unter einem Exorzismus vorzustellen? Wie geht das Ganze vor sich? Grundsätzlich muss man sagen, dass das Handbuch für die Exorzismen ausdrücklich sagt, dass bei einer Person, die angibt, von Dämonen besessen zu sein, oder von der andere meinen, sie sei besessen, erst einmal alle ärztlichen und psychologisch-psychiatrischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen. Bringen die allerdings keine Erfolge, kann zur Anwendung eines Exorzismus gegriffen werden… Pater Francesco Bamonte ist ein bekannter Exorzist in Italien, der bei dem jüngsten Seminar bei den Legionären Christi auch als Dozent auftritt. Er erklärt, wie er sich im Allgemeinen einem Fall nähert:

„Normalerweise haben die Leute, die zu uns kommen, schon eine lange Reihe von Ärzten hinter sich, von Psychologen und Psychiatern. Ich persönlich bitte sie immer um die medizinische Diagnose. Oft findet man in diesen medizinischen Berichten dann Unsicherheiten, Zweifel, sie sprechen von ‚untypischen Phänomenen’. In einem solchen Fall fragen wir Exorzisten nach der Erfahrung in der Vergangenheit, vor allem was die Welt des Okkultismus angeht. Zum Beispiel, ob die Person Zauberer besucht hat, ob sie Spiritismus betrieb, ob sie in der Familie jemanden hatte, der sich der Magie verschrieben hatte, ob sie mit satanischen Sekten Kontakten hatte, ob sie – auch wenn nur aus Neugierde – an Riten des Satanismus teilgenommen hat. Diese Untersuchung zeigt oft, dass die Ursache von gewissen seltsamen Beschwerden oder von ungewöhnlichen Phänomenen der Okkultismus in seinen unterschiedlichen Formen ist. Wenn man eben feststellt, dass es sich um einen psychischen Defekt handelt, dann rät man den Leuten, sich an einen Psychologen oder einen Psychiater zu wenden, aber immer, indem man diese Person daran erinnert, dass sie ein christliches Leben führen sollte, dass sie Gott nahe sein sollte.“

"In Deutschland kaum Besessenheiten"

Viele Phänomene lassen sich psychologisch erklären. Das sagt auch der deutsche Palottinerpater und Psychologe Jörg Müller, der im Palotti-Haus in Freising Menschen therapiert, die zu ihm mit der Sorge kommen, von Dämonen besessen zu sein:

„Wir haben hier in Deutschland kaum Besessenheiten, wir haben mehr psychologische Probleme. Es rufen bei uns im Schnitt 300 Leute an im Jahr und fragen nach Befreiung von Flüchen und Besessenheiten. Bei näherem Bohren ergibt sich daraus aber meistens eine Problematik der Psyche: Zwangsneurosen, Angstneurosen, projektiver Hass. Sie deuten die Symptome als Besessenheit. Ich kenne seit dreißig Jahren keinen wirklich besessenen Patienten außer Anneliese Michel in Klingenberg. Wir haben vorwiegend Probleme der Psyche, die aber aus dem Raster der Psychiatrie fallen. Das heißt, die werden medikamentös behandelt, aber es hat keinen Erfolg, es greift nicht. Wir haben festgestellt, dass sehr viele Leute in der Kindheit missbraucht worden sind. Der Missbrauch zeigt dann Symptome später, die man sehr rasch der Besessenheit zuordnet.“
Wie auch der italienische Exorzist so sagt auch der deutsche Psychologe, dass gerade die Teilnahme an okkulten oder spiritistischen Praktiken viel auslösen kann. Kann es sein, dass man sich dann eine solche Besessenheit einbildet?
„Sowohl einbildet als auch wirklich bekommen kann. Ich bin von beidem überzeugt. Die meisten bilden es sich ein; sie kommen sogar mit dieser Alibi-Diagnose; sie möchten besessen sein, um sagen zu können: ‚Ich kann nichts dafür, ich bin ja besessen! Sie müssen jetzt beten!’ Das kommt sehr oft. Und wenn wir dann sagen: ‚Sie brauchen Therapie!’, sind die stinksauer.“
Pater Müller sagt, dass viele, sehr viele Menschen meinen, von Dämonen besessen zu sein, obwohl sie es gar nicht sind.
„Wir haben genügend Fälle bei uns in der Praxis auch, wo wir im vermeintlichen Glauben, es sei eine Art Um- oder Besessenheit um Befreiung beten, aber es bewirkt gar nicht viel, und erst die Therapie, die wir dann dranhängen, macht es. Das zeigt uns, dass wir früher viel zu schnell den Teufel vermutet haben, eine Dämographie gemacht haben und gar nicht gemerkt haben, dass neue Krankheitsbilder da sind, wie zum Beispiel dissoziative Störungen, das sind jene Störungen, die eben bei Missbrauch entstehen, Abspaltung der Gefühle. Die zeigen zum Teil Boarderline-Symptome, Psychosen, aber auch Symptome der Dämonie, wie etwa Anspucken des Kreuzes, Grimassieren, den Priester als Pfaffe bezeichnen. Dann glauben wir sofort: Besessenheit!! Aber die liegt erst dann vor, wenn zum Beispiel eine Hellsichtigkeit unerklärlicher Form präsentiert wird oder überdimensionale Kräfte der Physis.“
"Hellsichtigkeit, unmenschliche Kräfte, Verbrennungen beim Kontakt mit Heiligem"

Also: auch der Psychologe sagt, es gibt eben Dinge, die nicht mehr psychologisch zu erklären sind. Wo die Schulpsychologie am Ende ist. Manch ein Arzt einer psychiatrischen Klinik, erzählt er, habe ihm schon gesagt: Da können wir nichts mehr machen, da müsste ein Priester her. Aber welche Kriterien legen denn Exorzisten an, um festzustellen, ob eine Person wirklich vom Bösen besessen ist? Pater Bamonte sagt, es gibt da ganz deutliche Anzeichen:

„Sprachen zu sprechen, die die betreffende Person nie gelernt hat – und zwar perfekt und über einen langen Zeitraum, oder sie auch perfekt zu verstehen. Eine andere Sache ist, wenn einer auf einmal Sachen weiß, die in großer Entfernung stattfinden oder über eine Person, die man einfach überhaupt nicht wissen kann. Oder auch, wenn jemand eine für sein Alter oder seine Konstitution absolut unmögliche körperliche Kraft hat, zum Beispiel das Heben von Gewichten, die nicht einmal mehrere Personen gemeinsam bewegen könnten. Dann ist da auch die Angst, ja der Horror vor dem Heiligen in einer Person, die so normalerweise nicht ist und es auch nie war, die dann auch, wenn sie Heiliges sieht oder hört, in Trance gerät und sich nicht mehr daran erinnert, was sie tut und auf einmal beginnt, Wörter voll des Hasses, der Verachtung zu sagen, zu fluchen. Andere Phänomene bei Leuten, die ich betreut habe, sind, dass sie während des Schlafes Kratzer, Schläge abbekommen, dass sie am Morgen mit Verbrennungen auf der Haut aufwachen oder sich verbrennen, wenn sie mit heiligen Dingen in Berührung kommen. Das kann man halt mit der Psychiatrie einfach nicht erklären.“

Es gibt Phänomene jenseits der Psychologie, denen man mit medizinischen Mitteln einfach nicht beikommen kann. Besessenheit durch Dämonen. Auch der Katechismus der Katholischen Kirche unterstreicht ganz deutlich, dass man sich – vor einem Exorzismus – so gut wie möglich sicher sein sollte, dass es sich um keine Krankheit handelt. Aber wie geht denn dann ein Exorzismus vor sich? Pater Bamonte:

„Wir brauchen immer eine Gruppe von Leuten, vor allem müssen diese ein gutes geistliches Leben mitbringen, sie müssen geistlich reif sein. Dann brauchen sie aber auch gute Muskeln, um die Person festhalten zu können während der Sitzung, damit sie sich nicht selbst etwas antun kann und auch nicht dem Exorzisten oder den anderen.“

Und dann spricht der Priester einige Gebete, zitiert die Heilige Schrift, außerdem, so beschreiben es mehrere Exorzisten in ihren Büchern, verwenden sie Weihwasser oder etwa Symbole wie das Kreuz. Pater Bamonte:

„Wenn er wirklich da ist, dann fällt die Person normalerweise in Trance, sie verformt ihr Gesicht, verformt ihre Stimme. Dann zeigt er sich mit einer gewissen Herausforderung, mit Verachtung gegenüber der Person, die er quält genauso, wie auch gegen den Exorzisten, den er normalerweise auch stark bedroht. Oft bringt er auch Aussagen, die einfach zeigen, dass er den Körper der Person, die von ihm besessen ist, zerstören will. Die Pupillen sind normalerweise entweder komplett nach oben oder nach unten verdreht. Es gibt da eben auch eine Erfahrung von uns Exorzisten. Wir können dann schon verstehen, wenn solche Phänomene nicht von psychologischer Art sind. Ein Exorzist bekommt mit der Zeit schon so ein ‚klinisches Auge’. Man hat schon öfters Personen, die sich einbilden, besessen zu sein oder dann echte Besessenheiten nachzuspielen versuchen. Dann gibt es auch welche, die noch tiefer da drin sind, das nennt man in der Psychologie ‚Dämonopathie’ oder ‚Dämonomanie’. Viele Leute lesen Bücher, sehen fern oder hören Radio und lernen so, wie sich ein Besessener verhält und das dann vorgeben zu sein. Im Angesicht von Schwierigkeiten des Lebens sagen sie dann, sie seien besessen... Oft sind da auch die, die aus Verzweiflung heraus oder um bestimmte Verhaltensweisen zu rechtfertigen, vorgeben besessen zu sein, auch oft, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Deshalb ist es wichtig, dass ein Anfänger als Exorzist sehr vorsichtig ist, um nicht in diese Fallen zu tappen.“

Befehl an den Teufel oder Befreiungsgebet?

Keine Frage – Exorzismen sind alles andere als angenehme Gebetsformen. Seit 1999 gibt es, wie gesagt, das neue Rituale, das genau festlegt, wie ein solcher Exorzismus vor sich zu gehen hat. Klemens Richter ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster:

„Das Kernstück dieses gottesdienstlichen Handelns ist es, den Teufel auszutreiben, ihm also zu befehlen, er möge seinen Namen nennen, er möge aus dem Besessenen ausfahren. Das war im Mittelalter sicher auch eine selbstverständliche Überlegung. Die Frage ist, ob das im Jahre 2005 noch in der gleichen Weise möglich ist.“

Denn, so sagt der Theologe, die Riten des Exorzismus haben ihre Wurzeln in einer Zeit, in der noch ein ganz anderes Weltbild vorherrschte, als es heute der Fall ist. Man stand vor ganz anderen Phänomenen, die uns heute ganz leicht erklärbar, sind, sehr ratlos:

„Das ist im Mittelalter, glaube ich, auch sehr verständlich. In einer Zeit, in der man über bestimmte Krankheitsphänomene – man denke an Epilepsie oder ähnliches – keine Kenntnis hatte, da lag es doch nahe zu sagen: Das ist Teufelswerk! Das sind Dämonen, die wir austreiben müssen!“

Der Theologe sagt sehr deutlich: Es gibt Menschen, die sich bedrängt fühlen und die es vielleicht auch sind. Wichtig ist ihm vor allem: In einer Liturgie sollten Gebete an Gott gerichtet werden, nicht Befehle an Dämonen ausgesprochen werden. Und vor allem: Absolute Sicherheit ist wichtig. Man müsse sagen können: Diese Person ist besessen!

„Wenn man das nicht sagen kann, kann man diesen Exorzismus, einen Befehl an den Bösen nicht aussprechen, zumal unter Umständen etwas Schreckliches erreicht wird, nämlich dass erst dem Betroffenen etwa durch das Sagen: ‚Weiche von ihm Satan, fahre aus, Teufel’ noch einmal zugesprochen wird, dass er wirklich vom Teufel besessen ist, obwohl man dieses nicht mit Sicherheit sagen kann.“

Der schon erwähnte Fall von Anneliese Michel von 1976 lehre doch, dass man da sehr vorsichtig vorgehen muss, so Klemens Richter:

„Keine Frage ist es selbstverständlich, dass Menschen, die sich vom Bösen besessen fühlen, besetzt fühlen, die Hilfe der Kirche erfahren müssen, das auch gottesdienstlich erfahren sollen. Von daher würde ich meinen – und das übrigens in Übereinstimmung mit einer Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, die 1984 schon zu diesem Ergebnis gekommen ist –, sinnvoller ist eine Liturgie zur Befreiung vom Bösen.“

Eine solche Liturgie, unterstreicht Klemens Richter, gehöre dann auch in den Bereich der Krankensakramente. Bis heute gibt es keine deutsche Übersetzung des Exorzismushandbuches. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat im Jahr 2003 noch einmal unterstrichen, dass man in der Frage der Exorzismen sehr aufpassen müsse. Aber die Liturgiekommission hat nun doch den Auftrag zur Übersetzung erhalten.

Spiritismus, Okkultismus und Schwarze Messen auf einem wachsenden Markt

Das Problem der Exorzismen lässt sich nicht leicht fassen. Warum überhaupt finden Satanismus, Okkultismus und Schwarze Messen heute einen immer wachsenderen Markt? Palottinerpater Jörg Müller sagt, es gebe da mehrere Faktoren; zum einen sei da die Tabuisierung, die das Thema Exorzismus zumindest in unseren Breiten nach dem Fall Michel erhalten hat:
„Zum zweiten haben die Medien, die Filme, das immer sehr hochgespielt: Rosemary’s Baby, Der Exorzist, Diamon 2 und so weiter. Und jetzt die ganzen esoterischen Geschichten. Da neigt der Mensch zu einer pseudomystischen transzendentalen Suche, weil er im Herzen eine große Lücke hat. Der Glaube ist weggerutscht, sie suchen einen Ersatzglauben in dieser Form der okkulten Experimente, Tischerücken und dergleichen mehr, und unterscheiden dann nicht mehr zwischen reiner Esoterik, Spiritismus, Satanismus... Das ist ein Abwasch dann. Die wollen einfach mal Erfahrungen des Jenseitigen machen und spielen rum.“
Warum gibt es in Italien, in Frankreich, in Mexiko und in vielen anderen Ländern viele Fälle von Exorzismen, während der deutsche Sprachraum quasi frei davon ist? Noch einmal Psychologe und Therapeut Müller:

„Ich vermute mal, dass das von Kultur zu Kultur verschieden ist. Wir haben auffallend viele Afrikaner und Asiaten, auch Jugoslawen, die bei uns anfragen. Die kennen den bösen Blick noch, die haben eine Menge Probleme und interpretieren sehr schnell ihre Schicksalsschläge als Folge von bösem Blick zum Beispiel. Dann gehen wir nach in der Anamnese, prüfen das Ganze und stellen bei etwa zehn Prozent der Anfragenden fest: Da ist was, wir müssen was tun, laden die ein zum Gebet und machen das auch. Aber 10 % heißt: bei 300 Anfragen bleiben 30 übrig.“
Ich schließe mit Worten aus Psalm 91:
Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue. Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.
(Ludwig Waldmüller)

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Traudel

   

Wer ist der Teufel? VON DAVID C. PACK
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